Sein Leben in eigenen Worten
Hermann Karl Hesse, Pseudonym: Emil Sinclair[1] (* 2. Juli 1877 in Calw; † 9. August 1962 in Montagnola, Schweiz; heimatberechtigt in Basel und Bern), war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler. 1
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Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw geboren. Sein Vater, Johannes Hesse, der 1847 als Sohn eines deutschbaltischen Arztes im estnischen Paide (Weissenstein) geboren war, wurde nach dem Schulbesuch zur Baseler Mission geschickt für die Ausbildung als Missionar. Bereits seinen ersten Bekehrungseinsatz in Indien musste er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen und er wurde nach Calw geschickt, um beim Missionsverlag von Hermann Gundert eingesetzt zu werden. Johannes Hesse heiratete 1874 Marie Gundert, die Tochter seines Vorgesetzten, die bereits die Witwe eines anderen Missionars, Charles Insenberg, war. Nach Hermann Gunderts Tod übernahm Johannes Hesse auch die Leitung des Verlags. Die pietistische Welt der Eltern, in die Hermann Hesse hereingeboren wurde, erreichte mit ihren durch Starre und Strenge gezeichneten Erziehungsdogmen bei ihm nicht das gewünschte Resultat: Nach einer rebellischen Kindheit und dem Ausbrechen aus den familiären Zukunftsplanungen entwickelte Hermann Hesse in religiösen Fragen eine freiheitliche und eigenständige Position, die sich in Sinnfragen neben dem Christentum ebenso mit dem Hinduismus, dem Buddhismus und dem chinesischen Taoismus auseinandersetzte. „Ich glaube, eine Religion ist so gut wie die andre. Es gibt keine, in der man nicht ein Weiser werden könnte, und keine, die man nicht auch als dümmsten Götzendienst betreiben könnte.“ 2
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Hermann Hesse wurde in seinem Leben der Zeuge von zwei Weltkriegen. 1914 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst, wurde aber wegen seiner starken Kurzsichtigkeit nur für verwendungsfähig in der deutschen Kriegsgefangenenfürsorge erklärt. Seine Erfahrungen dort veranlassten ihn, sich mehr und mehr gegen Patriotismus und gegen den Krieg zu positionieren.
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„Der Krieg riß aus Ruhe, Frieden, Gleichgewicht, Harmonie. Freundschaften zerbrachen, als Hesse gegen Hass, Lüge, Grausamkeit eine klagende Stimme für den Frieden erhob. Es erging ihm, wie er in seinem „Kurzgefaßten Lebenslauf“ erzählt, noch einmal wie in seiner Jugend: Man erinnere sich: „die erste Wandlung war eingetreten in dem Augenblick, wo mir der Entschluß bewußt wurde, ein Dichter zu werden. Der vorherige Musterschüler Hesse wurde von da an ein schlechter Schüler, er wurde bestraft, er wurde hinausgeworfen, er tat nirgend gut, machte sich und seinen Eltern Sorge um Sorge – alles nur, weil er zwischen der Welt, wie sie nun einmal ist oder zu sein scheint, und der Stimme seines eigenen Herzens keine Möglichkeit einer Versöhnung sah. Dies wiederholte sich jetzt, in den Kriegsjahren, aufs neue. Wieder sah ich mich im Konflikt mit einer Welt, mit der ich bisher in gutem Frieden gelebt hatte. Wieder mißglückte mir alles, wieder war ich allein und elend, wieder wurde alles, was ich sagte und dachte, von den anderen feindlich mißverstanden. Wieder sah ich zwischen der Wirklichkeit und dem, was mir wünschenswert, vernünftig und gut schien, einen hoffnungslosen Abgrund liegen.“ 1
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Die Worte, die Hermann Hesse dem deutschen Siegestaumel und der Kriegsrhetorik entgegenstellte erschienen 1914 in einem seiner Züricher Aufsätze: „Krieg war immer, seit wir von Menschengeschicken wissen, und es waren keine Gründe für den Glauben da, er sei nun abgeschafft. Es war lediglich die Gewohnheit langen Friedens, die uns das vortäuschte. Krieg wird so lange sein, als die Mehrzahl der Menschen noch nicht in jenem Goetheschen Reich des Geistes mit leben kann. Krieg wird noch lange sein, er wird vielleicht immer sein. Dennoch ist die Überwindung des Krieges nach wie vor unser edelstes Ziel und die letzte Konsequenz abendländisch-christlicher Gesittung. Der Forscher, der das Mittel gegen eine Seuche sucht, wird seine Arbeit nicht wegwerfen, wenn ihn eine neue Epidemie überrascht. Noch viel weniger wird „Friede auf Erden“ und Freundschaft unter den Menschen jemals aufhören, unser höchstes Ideal zu sein. Menschliche Kultur entsteht durch Veredelung tierischer Triebe in geistigere, durch Scham, durch Phantasie, durch Erkenntnis. Daß das Leben wert sei, gelebt zu werden, ist der letzte Inhalt und Trost jeder Kunst, obgleich alle Lobpreiser des Lebens noch haben sterben müssen. Daß Liebe höher ist als Haß, Verständnis höher als Zorn, Friede edler als Krieg, daß muß ja eben dieser unselige Weltkrieg uns tiefer einbrennen, als wir es je gefühlt haben.“2
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Nach dieser eindeutigen Positionierung als Gegner nationalistischer und kriegstreibender Politik wurde Hermann Hesse von Seiten der Deutschnationalen als „Drückeberger“ „vaterlandsloser Geselle“ und „Nestbeschmutzer“ diffamiert und bekämpft. 1924 nahm er die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Hermann Hesse war ein überzeugter Gegner des Nationalsozialismus. Die politische Agitation gehörte nicht zu seinen Ausdrucksmitteln, er stand aber zahlreichen, aus Deutschland geflüchteten, Künstlern als Anlaufstelle zur Seite und seine Abscheu vor dem Hitler-Regime wird in privaten Briefen und literarischen Kritiken deutlich. Seine Bücher waren im Nazi-Deutschland nicht erwünscht. Seinem Sohn, Heiner Hesse, der sich in den 30er Jahren ebenfalls in der Schweiz befand, versuchte seinen Vater zu überzeugen, das politische Beschäftigungsverbot der Schweizer Behörden zu brechen und sich offen und öffentlich gegen den Nazi-Staat zu äußern. Ihm antwortete Hermann Hesse in einem Brief:
„Die Kunst gehört zu den Funktionen der Menschheit, die dafür sorgen, daß Menschlichkeit und Wahrheit fortbestehen, damit nicht die ganze Welt und das ganze Leben in Haß und Partei, in lauter Hitlers und Stalins zerfällt. Der Künstler liebt die Menschen, er leidet mit ihnen, er kennt sie oft sehr viel tiefer als sie je ein Politiker oder Wirtschaftler gekannt hat, aber er steht nicht als Herrgott oder Redakteur über ihnen, der genau weiß, wie alles sein sollte. Wir Dichter haben hinter uns nicht die Autorität einer Kirche oder eines Staates, dafür sind wir frei von dogmatischen Festlegungen, und so ist es das Amt der Literatur, die ewigen Wahrheiten immer wieder für eine neue Zeit neu vorzubringen, wir fordern und predigen nicht, aber wir suchen unsere Leser unmerklich auf den Weg zu leiten, den der Mensch gehen muß, wenn er seine Bestimmung erfüllen will.“ 3
In den letzten Lebensjahren empfing Hermann Hesse viele Ehrungen, beispielsweise erhielt er 1946 den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main, 1947 die Ehrendoktorwürde der Universität Bern, 1955 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1946 den Literaturnobelpreis.