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Kulturbüro Frankfurt

Oscar Wilde

Leben und Werk

Der Weg zum Vaganten begann für Oscar Wilde mit viel Komfort. Geboren wurde er am 16. November 1854 als Oscar Fingal Fingal O´Flahertie Wills Wilde in Dublin in eine großbürgerliche Familie – sein Vater William Wilde war Ohren- und Augenarzt und der Leibarzt der Königin Victoria, seine Mutter Jane Francesca Elgee war Dichterin und Übersetzerin und veranstaltete in Dublin regelmäßig einen literarischen Salon. Nach dem Besuch des Trinity College in Dublin und dem Erwerb eines Bachelor of Arts 1878 am Magdalenen College Oxford zog Oscar Wilde nach London und wurde von Frank Miles, einem Pastellmaler, in die Londoner Gesellschaft eingeführt. Er begann ein Leben, das, beginnend in seiner Studienzeit, mit seinem Bekenntnis zur Strömung des modernen Ästhetizismus und durch seine begabten Selbstinszenierungen als wandelndes Kunstwerk, als Verkünder der Schönheit und einer Kunst um der Kunst Willen gezeichnet war. Oscar Wilde wurde im Viktorianischen England zum bekanntesten Schriftsteller, der sich als Lyriker, Dramatiker, Romanautor und Kritiker betätigte. Seine Werke, seine Ansichten und sein Auftreten polarisierten die Gesellschaft, er wurde verehrt und gehasst. Seine unkonventionellen Positionen, die er geistreich und eloquent vertrat, erzeugten Bewunderung und Abscheu, ebenso wie sein extravaganter Kleidungsstil mit Samtjacke und Lilie am Revers. Im Jahr 1884 lernte Oscar Wilde in London die 26-jährige Constance Mary Lloyd kennen, die beiden heirateten im gleichen Jahr. Im Jahr 1885 kam der Sohn Cyril zur Welt, im Folgejahr der zweite Sohn Vyvyan.

1891 fand die schicksalshafte Begegnung Oscar Wildes mit Lord Alfred Douglas statt. Der 21-jährige, der mit Oscar Wilde bis zu dessen Verhaftung befreundet war, hatte nur vorübergehend mit Wilde eine sexuelle Beziehung. Er führte ihn aber in das homosexuelle Strichermilieu von London ein, in dem er sich auskannte. Lord Alfred Douglas, den seine Mutter und die Freunde „Bosie“ nannten, profitierte wohl von der Idealisierung, die er durch seinen Freund Oscar Wilde erfuhr. Von Zeitgenossen wurde er als gieriger, egozentrischer und einfacher junger Mann beschrieben, der angetrieben von seinem Vaterhass, Oscar Wilde in die juristische Falle trieb, die ihn dann durch das Zuchthaus zerbrach. Der extravagante Lebensstil, den Lord Alfred von seinem väterlichen Freund erwartete, überforderten Wilde finanziell, gleichzeitig blieb die Beziehung emotional und intellektuell eher unbefriedigend. Gisela Hesse nannte die Beziehung „die Tyrannei des Schwächeren über den intellektuell Überlegenen“. Oscar Wilde wurde wegen homosexueller Unzucht angeklagt und zu zwei Jahren Zuchthaus mit harter Zwangsarbeit verurteilt, gegen Lord Alfred Douglas wurde eine Zeitlang ermittelt und das Verfahren dann eingestellt. Mit einer durch Zuchthaus und Zwangsarbeit zerstörten Gesundheit und verletzter Seele starb Oscar Wilde am 30. November 1900 verarmt und weitgehend vergessen in Paris im Alter von 46 Jahren.

Die Götter hatten mir fast alles verliehen. Ich besaß Genie, einen erlauchten Namen, eine hohe soziale Stellung, Ruhm, Glanz, intellektuellen Wagemut; ich habe die Kunst zu einer Philosophie, die Philosophie zu einer Kunst gemacht; ich habe die Menschen anders denken gelehrt und den Dingen andre Farben gegeben; alles, was ich sagte oder tat, setzte die Leute in Erstaunen. Ich nahm das Drama, die objektivste Form, die die Kunst kennt, und machte es zu einem so persönlichen Ausdrucksmittel, wie das lyrische Gedicht oder das Sonett; zugleich erweiterte ich seinen Bezirk und bereicherte es in der Charakteristik. Drama, Roman, Gedicht in Prosa, Versgedicht, den geistreichen oder den phantastischen Dialog – alles, was ich berührte, hüllte ich in ein neues Gewand der Schönheit; der Wahrheit selbst gab ich das Falsche ebenso wie das Wahre als ihr rechtmäßiges Reich und zeigte, dass das Falsche und das Wahre lediglich intellektuelle Daseinsformen sind. Die Kunst behandelte ich als die oberste Wirklichkeit, das Leben nur als einen Zweig der Dichtung. Ich erweckte die Phantasie meines Jahrhunderts, so, dass es rings um mich Mythen und Legenden erschuf. Alle philosophischen Systeme fasste ich in einen Satz, das ganze Dasein in ein Epigramm zusammen. Daneben hatte ich noch andres. Aber ich ließ mich in lange Perioden eines sinnlosen, sinnlichen Wohlbehagens locken. Ich belustigte mich damit, ein Flaneur, ein Dandy, ein Modeheld zu sein. Ich umgab mich mit den kleineren Naturen und den geringeren Geistern. Ich ward zum Verschwender meines eignen Genies und fand absonderliches Wohlgefallen daran, eine ewige Jugend zu vergeuden. Müde, auf den Höhen zu wandeln, stieg ich aus freien Stücken in die Tiefen und fahndete nach neuen Reizen. Was mir das Paradoxe in der Sphäre des Denkens war, wurde mir das Perverse im Bereich der Leidenschaft. Die Begierde war schließlich eine Krankheit oder Wahnsinn oder beides. Ich kümmerte mich nicht mehr um das Leben andrer. Ich vergnügte mich, wo es mir beliebte, und schritt weiter. Ich vergaß, dass jede kleine Handlung des Alltags den Charakter prägt oder zerstört, und dass man deshalb das, was man im geheimen Zimmer getan hat, eines Tages mit lauter Stimme vom Dach herunterrufen muss. Ich verlor die Herrschaft: über mich. Ich war nicht mehr der Steuermann meiner Seele und wusste es nicht. Ich ließ mich vom Vergnügen knechten. Ich endete in gräulicher Schande. Jetzt bleibt mir nur eins: völlige Demut.“

Weblinks und Einzelnachweise