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Kulturbüro Frankfurt

Sein Leben in eigenen Worten

Alfred Georg Hermann „Fredi“ Henschke, genannt Klabund (* 4. November 1890 in Crossen an der Oder; † 14. August 1928 in Davos) war ein deutscher Schriftsteller.. 1

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„Klabund (Alfred Henschke aus Crossen, 1890-1928) wird in die Literaturgeschichte und Nachschlagewerke eingehen. Möge er Federn finden, die so anmutig die Erinnerung an sein kurzes, krankes, melodienreiches Leben wahren.“ 2 Mit diesen Worten enden die Zeilen, mit denen Carl von Ossietzky in der Weltbühne Klabund gedenkt.   Der Sohn eines promovierten Apothekers war bereits mit 16 Jahren an einer Lungenentzündung erkrankt, 1912, mit 22 Jahren wurde die geschlossene Tbc diagnostiziert, deren Existenz das weitere Leben von Klabund bestimmen sollte. Erst Ende der 1940er Jahre begann mit dem Einsatz von Antibiotika die Behandlung und spätere Heilung der Tuberkulose. Anfang des 20. Jahrhunderts, war die medizinische Forschung noch weit von diesen Möglichkeiten entfernt. „Ein Tuberkulöser hat nichts zuzusetzen und muß mit seinem Körpervermögen sparsam umgehen; daher kommt es, daß Schwindsüchtige, die wenig auf die Ernährung ihres Körpers verwenden, früher und leichter zu Grunde gehen als solche, die sich gut nähren, und daß durch die Schwangerschaft der Fortschritt der Tuberkulose ungemein befördert wird. Auch beschleunigen tuberkulöse Männer durch die Heirat häufig unzweifelhaft ihren Tod. Wenn das tuberkulöse Organ chirurgischen Eingriffen zugänglich ist, so ist eine energische örtliche Behandlung (Entfernung der tuberkulösen Herde durch Auskratzen, Ausschneiden, Resektion und dergl.) am Platze. 3“ Klabund war weder bereit noch dazu in der Lage, ein passives Leben zu führen, bei dem die Tuberkulose ihm den Rahmen seiner Tätigkeiten vorschrieb. „Ständig bedroht von der Krankheit, wurde Klabund von einer unbändigen Leidenschaft zum Schreiben erfasst, so daß er fortan Jahr für Jahr Bücher veröffentlichte: Verse, Grotesken, Romane, Erzählungen, Nachdichtungen. Die Muße der langen Liegekuren wurde zum Antrieb einer literarischen Produktion, der oft allerdings die letzte Ausgefeiltheit fehlte, was die Kritik nicht zu Unrecht bemängelte.“ 4 Kritik und Relativierung seiner literarischen Bedeutung haben das Werk von Klabund immer begleitet, wie zum Beispiel in der Bemerkung von Max Herrmann-Neiße deutlich wird, der „Klabund als Künstler recht dünn und eklektisch“ bezeichnete. 5 Für Klabund hatten solche Beurteilungen wohl keine allzu große Bedeutung. Er schrieb über seinen manischen Schaffensdrang in einem Brief: „Ich führe in meinem Leben doppelte Buchrechnung. Auf der einen Seite nimmt die Krankheit zwar erheblichen Raum ein; aber sie ist nur „notiert“, zur Kenntnis genommen. Der Teufel soll mich frikassieren, wenn sie je Einfluss auf die andere Seite, auf mein wirkliches Leben, gewinnen sollte.“ 6

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Besonders seine aktive Teilhabe an nationalistischer und militaristischer Kriegsliteratur nach Beginn des Ersten Weltkriegs wird Klabund noch heute übelgenommen. Da er durch seine Krankheit wehrunfähig war, bemühte er sich, mit der Produktion von Soldatenliedern, zum Sieg Deutschlands beizutragen. „Brüder, laßt uns Arm in Arm / In den Kampf marschieren! / Schlägt der Trommler schon Alarm / Fremdesten Quartieren./ West und östlich glüht der Brand, / Sternenschrift im Dunkeln / Läßt die Worte funkeln / Freies deutsches Land! / Hebt die Hand empor: / Kriegsfreiwillige vor!“ 7 Der Offene Brief, den Klabund am 3. Juni 1917 in der Neuen Züricher Zeitung veröffentlichte, zeigt, dass er über die Kriegsjahre und seinen Aufenthalt in der Schweiz einen anderen Standpunkt zum Ersten Weltkrieg und zu Kriegen im Allgemeinen entwickeln konnte. Dieser Brief, in dem er Kaiser Wilhelm II. zum Abdanken auffordert, um einen Friedensvertrag möglich zu machen, begründete zum einen Klabunds Ruf als Pazifist und zum anderen den Hass der nationalistischen Kräfte gegen ihn. Er wurde offen von Teilen der öffentlichen Meinung zum Feind Deutschlands erklärt. Dem Militärhistoriker Markus Pöhlmann ist zu verdanken, dass uns heute das Zitat eines Chefredakteurs P. Mathes der Passsauer Zeitung vom 1917 zugänglich ist, das dieser als Denunziation an das Stellvertretende Generalkommando in München schickte: „Am Sonntag hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, Herrn Klabund hier begrüßen zu müssen. Er ist militärfrei, anscheinend aber gesund genug, in Deutschland militärische Schreibdienste zu tun. Er protzt mit seinem Wohlbefinden! Ob er sich die goldenen Armbänder und Ringe, die er auffallend zu tragen beliebt, in der Schweiz erschrieben hat, während seine Stammesgenossen das Gold zur Reichsbank bringen, weiß ich ebenso wenig, als ob die manicurten (sic) Finger nicht besser in Deutschland als in der Schweiz beaufsichtigt werden könnten.“ 8 Tatsache ist, dass Klabund über Jahre V-Mann des Deutschen militärischen Nachrichtendienstes war und diesem über die Kriegsjahre Berichte aus der Schweiz zukommen ließ. Ob seine Motivation in der Zurückweisung als Kriegsfreiwilliger 1914 zu suchen ist oder ob er sich damit die Visa „erkauft“ hat, die er für seine Aufenthalte in den Schweizer Lungensanatorien benötigte, lässt sich nur vermuten.

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Eng bleibt sein Werk und seine Energie zur literarischen Produktion verbunden, mit dem drohenden Tod, der ihm als Sohn eines Apothekers bei seiner Diagnose immer bewusst war. „Er hatte keine Zeit und wußte es. Vieles von dem eilig Hingedichteten wird verwehen. (…) Von seinen siebenunddreißig Jahren waren zwanzig eine rohe, handgreifliche Auseinandersetzung mit dem Tode. Ewige Flucht ins Sanatorium, Flucht vor dem kühlen Luftzug, Erbeben vor einem kleinen Kratzen im Halse, das den nächsten Anfall anzeigt. Das ist ein unmißverständliches Schicksal. Die Herren Poeten pflegen sonst immer sehr allgemein „am Leben zu leiden“ Die Herren Lyriker namentlich pflegen von früher Jugend an mit dem Tod auf gutem Versfuß zu stehen, seinen Namen unnütz zu führen, um doch bald solide zu heiraten, und kleine Kinder und dicke Romane zu zeugen. Im Fall Klabund war das Leiden grausam deutlich lokalisiert“ 9

Weblinks und Einzelnachweise

  1. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Klabund ↩︎
  2. Carl von Ossietzky 1928 in: Die Weltbühne XXIV. Jahrgang 21. August 1928 Nummer 34 S. 303 ↩︎
  3. Brockhaus´ Konversations-Lexikon 1895 fünfzehnter Band Leipzig, Berlin und Wien S. 1040 ↩︎
  4. Klabund in Davos 1990 Hrsg. Von Paul Raabe, Arche Verlag Zürich S. 16 ↩︎
  5. Max Herrmann-Neiße 13.09.1928 in: Völker, Klaus 1991 Max Herrmann-Neisse Edition Hentrich Berlin S. 124 ↩︎
  6. Klabund in Davos 1990 Hrsg. Von Paul Raabe, Arche Verlag Zürich S. 16 ↩︎
  7. Klabund zitiert nach Pöhlmann Markus 2007 Der Grenzgänger.Der Dichter Klabund als Propagandist und V-Mann im Ersten Weltkrieg Zeitschrift für Geisteswissenschaft 55,5 Metropol Verlag Berlin S. 400 ↩︎
  8. BayHStA-KA. Stellv. Gen. Kdo. I. bayer AK, Bd.1715: Brief P. Mathes (Passau) an das Stellvertretende Generalkommando vom 21.09.1917 in: Pöhlmann Markus 2007 Der Grenzgänger.Der Dichter Klabund als Propagandist und V-Mann im Ersten Weltkrieg Zeitschrift für Geisteswissenschaft 55,5 Metropol Verlag Berlin S. 406 ↩︎
  9. Carl von Ossietzky 1928 in: Die Weltbühne XXIV. Jahrgang 21. August 1928 Nummer 34 S. 302 ↩︎

Weblinks und Einzelnachweise

  1. Bilder 1-?: (folgt…)